"Rheinstadt Uerdingen"

Uerdingen wird erstmals um 900 erwähnt. in einem Urbar der Abtei Werden erscheint eine Hufe in "Undingi" als Bestandteil des Reichsgutes Friemersheim. Am 11. Juni 1255 besuchte der Kölner Erzbischof Konrad von Hochstaden den Ort. Man nimmt an, dass er dabei Uerdingen die Stadtrechte verlieh und die Stadt befestigen ließ. Eine eigene Urkunde zur Stadterhebung ist nicht überliefert. Ein Indiz für die Stadterhebung ist eine im Jahr 1324 ausgestellte Urkunde, die ein Uerdinger Stadtsiegel trägt und die Tatsache, dass es zu duíeser Zeit einen Grüter in Uerdingen gab. Uerdingens Geschichte ist durch die Lage der Stadt am Ufer des Rheins bestimmt. Immer wieder suchten Katastrophen die Stadt heim. Die erste Ansiedlung Uerdingens lag direkt am Ufer des Flusses. Sie fiel im Februar 1284 einem Rheinhochwasser zum Opfer. Die Fluten rissen ganze Teile von Uerdingen, die Kirche und den Friedhof hinweg. Als Reaktion auf diese Katastrophe wurde die Stadt landeinwärts auf eine höhere, geschütztere Stelle verlegt. Dies war aber nicht von langer Dauer, denn der damals noch ursprüngliche Strom verlegte sein Bett immer weiter auf Uerdingen zu. Am 8. Januar 1655 berichtete der Schultheiß Erlenwein, dass Uerdingen vor vierzig Jahren noch 500 Schritt vom Rhein entfernt gelegen wäre. Jetzt befinde sich der Rhein schon 34 Schritt vor dem Rheintor. Dadurch hätten die Bürger der Stadt auch viele hundert Morgen Ackerland eingebüßt, die einfach weggeschwemmt worden seien. Heute fließt der Rhein wieder direkt an der Stadt vorbei. Nach der Verlegung Uerdingens entstand an der STelle der heutigen Kirche eine einschiffige Tuffsteinkapelle, die St. Peter geweiht war. 1285 erhielt sie eigene Pfarrechte. Die Stadtbefestigung, die auch gegen Hochwasser und Eisgang Schutz boten, ließ der Erzbischof Heinrich von Virneburg nach1325 neu anlegen. Die Stadt wuchs langsam, aber stetig. 1569 gab es schon 185 Häuser innerhalb der Stadtmauern. 1584 verwüstete ein Brand die Stadt.1627 beschädigte ein Sturm die Kirche. 1642 brannte die Stadt erneut. 1658 suchte eine Überschwemmung, 1740 ein verheerender Eisgang die Stadt heim. Das nächste extreme Hochwasser mit Eisgang folgte schon 1783. Die Hochwasser von 1799 und 1819 richteten ebenfalls grosse Schäden an. 1799 stürzte das Langhaus der Kirche St. Peter ein, 1819 das Bruchtor. Nach vielen Schicksalsschlägen und wirtschaftlichen Krisen durch die landesherrliche Zollpolitik im 17. und 18. Jahrhundert konnte die Stadt ihre verkehrstechnisch günstige Lage am Rhein im 19. Jahrhundert besser nutzen. 1829 lebten in Uerdingen 2064 Einwohner, 1845 waren es schon 2988. Durch den Anschluss an das Eisenbahnnetz 1847 erhielt der wirtschaftliche Aufschwung in Uerdingen neue Impulse. In der Folgezeit siedelten sich immer mehr Wirtschaftsunternehmen in der Stadt an. 1858 gab es zwei Seidenfabriken, eine Tabakfabrik, drei Zuckerraffinerien, drei Essigfabriken, zwei Brauerreien, vier Branntweinbrennereien, neun Destillieranstalten und eine Schwarzmehlfabrik in Uerdingen. Vor allem nach 1871 kam es zu zahlreichen Fabrikgründungen. Firmen aus den Branchen Maschinenbau, Dampfkesselproduktion, Chemische Unternehmen. Öl- und Margarinefabriken, Sägewerke sowie Waggonbau- und Apparatenbauunternehmen siedelten sich an. 1877 wurde die Teerfabrik Ter-Meer gegründet, deren Nachfolgerin, die Bayer AG, heute der größte Arbeitgeber in Uerdingen ist.
Die Hafen- und Werftanlagen der Stadt wurden kontinuirlich ausgebaut. 1906 weihte man die neuen Hafenanlagen auf Krefelder Gebiet feierlich ein.
1927 kam Hohenbudberg, das aus der Gemeinde Kaldenhausen ausgegliedert wurde, an Uerdingen. Heute sind nur noch Reste des Ortes erhalten, er fiel der Expansion der Bayer AG zum Opfer. Eine schwere Stunde nahte für die Uerdinger, als 1929 im Zuge der kommunalen Neugliederung die Rheinstadt mit der Stadt Krefeld vereinigt wurde. Anfänglich konnte sich Uerdingen weitgehende Selbstverwaltungsrechte sichern, bis 1975 dokumentierte sich die Sonderstellung Uerdingens in der Stadt damit, dass es hier einen eigenen Bezirksbürgermeister und eine eigene Stadtverwaltung mit Stadtvertretung gab. Bis 1940 trug die neue Stadt auch den Namen Stadt Krefeld-Uerdingen, danach wurde zum Entsetzen der Uerdinger der Name in Stadt Krefeld abgeändert.
Einen weiteren Impuls für die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt brachte auch der Bau einer brücke über den Rhein. Bis 1936 konnte man das andere Rheinufer nur durch Fähre, die "Pont", erreichen. Seit dem 7. Juni 1936 stand die Adolf-Hitler-Brücke dem wachsenden Automobilverkehr zur Verfügung. Nach der Zertstörung der brücke im Jahr 1945 nahm die Ponte noch einmal den Betrieb auf, bis die wieder hergestellte Brücke am 25. Oktober 1950 eingeweiht werden konnte. der 2. Weltkrieg traf Uerdingen schwer, da die Industrieansiedelungen sich als ziel für den Bombenkriek erwiesen. Bei einem Luftangriff am 22./23, August 1943 wurde die Kirche St. peter weitgehend zerstört.
Geht man heute durch Uerdingen, sieht man die Spuren dieser Zeit kaum noch. Uerdingen ist heute wieder ei malerisches Städtchen am Rhein, das trotz der zahlreichen Industrieansiedelungen in seinem Umfeld Touisten zu einem Bummel durch seine Strassen einlädt.